DADA Südtirol: BIBLIOTHEK INSTALLATION

GAUNERWÖRTERBUCH

 

Mit der Installation der DADASuedtirol:Bibliothek von Hans Winkler in der Bergstation Jenesien wird eine Buchauswahl von Dadaisten und Sympathisanten vorgestellt, die sich in Südtirol aufgehalten haben. Es handelt sich um Walter Serner, Franz Jung, Wieland Herzfelde, Hannah Höch, Ezra Pound, Friedrich Glauser, Otto Flake, Arthur Cravan oder Franz Held.
Ferner ist die Bibliothek mit Tiroler Sagen des 19. Jahrhunderts, Dada Manifesten und Jenischen und Rotwelschen Wörterbüchern bestückt, welche Franz Jung, John Heartfield, Hannah Höch und vor allem Walter Serner zu seiner Publikation Das fette Fluchen. Ein Gaunerwörterbuch inspirierten.
Hiermit wird ein bisher übersehener Teil der Kulturgeschichte der Öffentlichkeit vorgestellt.  Die Nutzung der Bibliothek steht jedem Besucher frei und wird bis 2017 in der Bergstation zu sehen sein.

 

 
Das Hauptinteresse gilt dabei den Einfluessen der Jenischen Sprache und dem Rotwelsch (der Geheimsprache der Gauner), z.B.  auf John Heartfield’s und Hannah Hoech’s Collagen, Walter Serner: "Das fette Fluchen. Ein Gaunerwörterbuch", Friedrich Glauser: "Matto regiert", Franz Jung: "Der Weg nach Unten", „Der Hausierer“ oder "Der Fall Gross", über den Anarchisten und Psychiater Otto Gross und dessen Vater Hans Gross, Herausgeber "Des Handbuches der Kriminalistik" - der wichtigsten Quelle der Gaunersprache.

 

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“1921 Dadaisten verbringen einen Sommer in der Villa in Starkenburg, Nordtirol / Starkenberg verliert das Absatzgebiet Südtirol“ 

# - aus der Chronologie der Brauerei Starkenberg.

HE HE HE DA DA GE LA GE in Tirol

 

 
Jenesien liegt unterhalb des Hochplateaus des Salten am Südhang des Tschögglbergs nördlich von Bozen. Zwischen Bozen und Jenesien existiert neben einer langen und kurvigen Straßenverbindung auch die Seilbahn Jenesien. Durch den Ort verläuft der europäische Fernwanderweg E5. (Wikipedia)
Die Dadaisten sind grundsätzlich immer „gegen“ alles, was in den Zielkreis dieses „gegen“ kommt, wird abgeknallt und das erlegte Wild zu Dada verarbeitet [1920] – Warum daDa? – 2016? – Im Herbst 2012 startete mit dem Künstler Hans Winkler eine Kulturinitiative, welche den historischen Lebenslinien und dem umfassenden Schaffenswerk des Schriftstellers Franz Held (geb. Herzfeld, 1862-1908) und seiner Dadaisten-Söhne Wieland Herzfelde (1896-1988) und John Heartfield (1891-1968) mehr Sichtbarkeit geben wollte.  Wie Recherchen ergaben, stellte sich heraus, dass Franz Held sich über längere Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) in Jenesien bei Bozen aufhielt, seine Texte von lokalen Sagen beeinflusst waren und er auch als Geschichtenerzähler in Südtirol unterwegs war.
Ausgehend vom Aufenthaltsort Franz Helds in diesem Dorf oberhalb von Bozen, wurden an der Tal- und Bergstation der Seilbahn eine Ausstellung, eine Kunst-Installation und parallel dazu stattfindende Veranstaltungen unter dem Projektnamen HE HE HE DA DA GE LA GE organisiert. 2012 veröffentlichten Kurt Lanthaler, Martin Hanni und Hans Winkler im Bozener Raetia Verlag: Franz Held: Vor-dadaistische Texte aus Jenesien.
Das von Martin Hanni und Hans Winkler kuratierte und von Hannes Egger mitorganisierte Projekt kehrt nun zum 100. Geburtstag von Dada und zum 35. Geburtstag der Distel Vereinigung nach Jenesien zurück. Die Distel Vereinigung ist Herausgeberin der vorliegende Sonderausgabe der Zeitschrift Kulturelemente. Grund genug für ein dreitägiges Dada-Gelage in den ersten Juni-Tagen mit Gesprächen, Diskussionen und Interventionen, bei Bier, im Bus, in Bozen, am Brenner, in Tarrenz und Jenesien, u.a. mit dabei: Helen Adkins, Andreas Hapkemeyer, Peter Holzknecht, Kurt Lanthaler, Raoul Schrott, Jörg Zemmler.
In diesem Rahmen wurde die DADA Südtirol-Bibliothek von Hans Hs Winkler in der Bergstation Jenesien eröffnet. Inspiriert durch die Tatsache, dass das letzte DADA Manifest Au Grand Air – Der Sängerkrieg 1921 in Tirol u.a. von Tristan Tzara, Max Ernst, Paul Eluard und Hans Arp geschrieben, nimmt die Bibliothek in der Bergstation Bezug auf die Einflüsse der Alpenregion auf die "städtische" Avant-garde.
Vor 100 Jahren in Zürich ins Leben gerufen, zog Dada bekanntlich nach Berlin, Paris, New York und Köln und hatte aber ein weiteres Standbein in den Bergen Tirols, in Tarrenz und in Jenesien. John Heartfield und Wieland Herzfelde haben sich immer wieder auf die Arbeit ihres Vaters bezogen. Weitgehend unbeachtet blieb bis heute der Einfluß von Franz Held auf die Literatur und Kunstwelt. Mit seinen Texten und Geschichten ist er später zum Wegbereiter der Dadabewegung und der literarischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts geworden.
Donnerstag, 2.6.2016 — Tagung
18.00 Museion Bozen
Vorstellung der „Kulturelemente“-Sondernummer Dada
Temporärer Biergarten – Aktion (30min), Hans Winkler
19.00 Museion – Talferpromenade – Lungomare
Ascenseur Baja, Peter#KOMPRIPIOTR#Holzknecht, Performance
20.00 Lungomare-Garten
Vorträge, Musik und Gespräche mit: Helen Adkins, Andreas Hapkemeyer,
Jörg Zemmler, Hannes Egger, Kurt Lanthaler
Moderation: Hans Winkler, Martin Hanni.
22.00 Lungomare-Garten
DJ Zemmler
Freitag, 3.6.2016 — Busreise: Bozen – Tarrenz – Bozen (mit Anmeldung)
10.00 Hotel Alpi Bozen
Start
11.30 Brenner
DADA-Grenzkontrolle, EX- salini84stufen, Kurt Lanthaler, Peter Kaser
13.00 Tarrenz
Mittagessen im Gasthof Sonne, Treffen mit dem Schriftsteller und
Dadaexperten Raoul Schrott
14.30 Bierbrauerei Starkenberg
Wanderung und Vortrag mit Raoul Schrott, Besuch der
„Dadaisten Villa“ und des Starkenberger Sees. Bierprobe.
17.00 Rückfahrt
Über Hotel Post in Imst ca. 20h Ankunft in Bozen
Samstag, 4.6.2016 — Auf- und Abstieg (nicht umsonst)
15.00 Galerie Lungomare
Seilbahnfahrt Bozen-Jenesien
15-17.00 Bergstation der Seilbahn, Jenesien
Eröffnung der „DadaSüdtirol-Bibliothek“, Installation zu den Dadaisten in
Südtirol, inkl. Sprachkurs zu den „Gaunersprachen“, Hans Winkler.
17.30 Designmöbel Georg Mühlmann, Jenesien:
Lesung und Gespräch mit Simone Schönett: aus und über
ihren „Jenesien“- Roman re:mondo (2010)
info@kulturelemente.org
Info: www.kulturelemente.org
Das Projekt wird unterstützt vom Land Südtirol, Museion Bozen, Galerie Lungomare, der Gemeinde Jenesien und dem Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart

 

 

FRANZ HELD: VORDADAISTISCHE TEXTE AUS JENESIEN

Raetia Verlag, Bozen 2012

 

 

herausgegeben von: Hans Winkler, Kurt Lanthaler und Martin Hanni
(ab Oktober im Buchhandel - zum 150. Geburtstag des Schriftstellers) „Der Schriftsteller Franz Herzfeld (Franz Held) wurde letzter Tage infolge Geistesstörung der Irrenabteilung des hiesigen Spitals zur Beobachtung übergeben. Herzfeld, welcher von Venedig nach Bozen gekommen war, machte sich durch sein exzentrisches, von hochgradiger Nervosität zeugendes Benehmen unangenehm bemerkbar.“

Mit dieser Meldung in den »Bozner Nachrichten« vom 28. Februar 1900 endete, vorerst das nomadische Leben des Schriftstellers und Freigeistes Franz Held, geboren vor 150 Jahren in Düsseldorf, lebte u.a. in Berlin, München, Weggis in der Schweiz, Aigen bei Salzburg und in Jenesien bei Bozen. Nicht weniger interessant als seine Romane, Gedichte und Theaterstücke ist das skurrile und mysteriöse Schicksal der fünfköpfigen Familie Herzfeld. Während beide Elternteile, um 1900 in psychiatrische Anstalten eingeliefert werden, wachsen ihre vier Sprösslinge als Waisenkinder in Aigen bei Salzburg auf. Zwei von ihnen – John Heartfield und Wieland Herzfelde – gründen gut zwei Jahrzehnte später mit George Grosz die Berlin-Dada-Bewegung. Dabei beziehen sich die Söhne Franz Helds immer wieder auf die Texte ihres politisch engagierten Vaters. 
Wegen anarchistischer und angeblich gotterlästerlicher Gedichte verhängte das Münchner Amtsgericht 1895 einen Haftbefehl gegen Franz Held.
Der sich daraufhin aus Deutschland absetzte. Sein Untertauchen hatte auch zur Folge, dass seine Bücher aus den Regalen der Buchhandlungen entfernt wurden. Unbeachtet blieb bis heute sein  Einfluss auf die Literatur und Kunstwelt. Und dass es u.a. in Jenesien, dem Dorf am Berg oben, war, von wo aus er mit seinen humuorvollen, avantgardistischen Texten und Gedanken zum Wegbereiter der Dada-Bewegung wurde.
Mit Fug und Recht kann er als Vor-Dadaist bezeichnet werden.
Hans Winkler, Kurt Lanthaler und Martin Hanni gehen in diesem Buch den Entwicklungen neuer literarischer und künstlerischer Forschungen nach und bringen ausgewählte Texte Franz Helds ans Tageslicht.  Hat er sich doch – wie die Bozner Nachrichten seinerzeit schrieb – „durch zahlreiche, farbenprächtige Schilderungen von Land und Leuten in Tirol um unser Land verdient gemacht.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Held_(Schriftsteller)
 

HEHEDEDADA

Ausstellung: Lungomare, Bozen, 2012

in Kooperation mit Martin Hanni und Kurt Lanthaler
Das Kunstprojekt bringt verschollen geglaubte Texte des vergessenen
Dichters Franz Held ans Tageslicht, der sich vor über 100 Jahren mehrmals in Jenesien und Bozen aufgehalten hat. Held war der Vater der Berlin-Dada-Mitbegründer Wieland Herzfelde und John Heartfield,
Programm: Donnerstag, 04.10.2012, Uhrzeit 18.30h:
Filmprojektion im Filmclub Bozen John Heartfield – Fotomonteur Deutschland 1977 |
Freitag, 05.10.2012, 19 Uhr
Eröffnung der Ausstellung
Konzert: Dada Sonore“
Stefano Bernardi & ziZ, Hommage an Renè Clair
Live Vertonung von „Paris qui dort“ und „Entr‘acte“ (1923)
Samstag, 06.10.2012, 15 Uhr_
Wanderung zum Buchfest nach Jenesien (Treffpunkt Projektraum Lungomare)
Seilbahnfahrt mit anschließender lautpoetische Wanderung _von der
Bergstation bis zum Gruberhof (mit Martin Abram)
ca. 17.00h „Marende“ auf der Terrasse des Gruberhofes
ca. 18.00h Buchpräsentation „Franz Held – Vordadaistische Texte aus Jenesien“
mit den Herausgebern Hans Winkler, Kurt Lanthaler und Martin Hanni
19.30h Herzfeld-TRIS Freitag, 26.10.2012
Finissage Ausstellungsdauer
05.10.2012 – 26.10.2012
Plakataktion im Stadtraum Bozen und in Jenesien:
Aufruf zum Geschichtensammeln und Bekanntgabe der Franz-Held-Bibliothek in Jenesien.
Pressespiegel.Franz.Held.pdf
 

 

HELD SAGA/ HÜTTE IM WALD

Ausstellung: Kuenstler/Archiv, Akademie der Kuenste, Berlin, 2005
"Wir kommen noch immer früh genug aus dem Leben" (Henrik Ibsen)
 

Die Anklage lautet auf Gotteslästerung. Absender: Amtsgericht München. 1895. Unter der Vorladung steht der Vermerk: Bitte erscheinen Sie zum angegebenen Termin pünktlich und nehmen Sie eine Zahnbürste mit. Mit diesem Einschreiben begann für Franz Held (mit bürgerlichem Namen Franz Herzfeld) das Leben im Untergrund. Sein Verschwinden war somit eingeleitet und seine Bücher wurden aus den Regalen der Buchhandlungen entfernt. Franz Held setzte sich aus Deutschland ab, um für seine Familie eine neue Heimat zu finden. Die Reise endete in der Bergwelt von Salzburg. Auf einer Almhütte am Gaisberg bei Aigen. Die Alpen boten seit Jahrhunderten politisch oder religiös Verfolgten inoffizielles Asyl, Außenseitern Schutz und Zuflucht. Die Sitzbank vor der Hütte gewährte den einzigen regelmäßigen Kontakt zur Außenwelt. Sie bot eine einmalige Aussicht auf die Stadt Salzburg, auf das weitläufige Tal. Eingebettet von Hügeln und Berggipfeln. Vor allem die beiden Söhne, Helmut und Wieland Herzfeld, genossen täglich den sich ständig verändernden Blick, und dies stundenlang. Helmut änderte später seinen Namen - aus Protest gegen die feindliche Gesinnung vieler Deutscher gegenüber England - in John Heartfield und Wieland seinen Nachnamen - eher aus sprachlicher Sicht - nur geringfügig in Herzfelde. Das Verschwinden von Franz Held setzte sich konsequent fort. Er ist heute nahezu vergessen. Lediglich in Publikationen über John Heartfield tauchen Anmerkungen auf wie "Sohn des sozialistischen Schriftstellers Franz Held" oder "Vater geisteskrank".

http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Held_(Schriftsteller)

Franz Held - Eine Afrikareise durch's Marsfeld (Pariser Ausstellung 1889). Rosenbaum & Hart, Berlin 1890 (zweite Auflage unter dem Titel Tartarin in Paris. Humoristischer Roman. Fresko-Verlag, Berlin 1893) - Groß-Natur. Ausgewählte Gedichte. Fresko-Verlag, Berlin 1893 - Manometer auf 99! Soziales Drama in 5 Akten. Fresko-Verlag, Berlin 1893 - Trotz Alledem! Einiges aus meinem Schatzhaus. Fresko-Verlag, Berlin 1894 - Don Juan's Ratskellerkneipen. Eine feuchtfröhliche Weinmär. Fresko-Verlag, Berlin 1894

Presseauszug::

19.6.05 Tagesspiegel: "Hans Winkler stellt nun enien Nachbau dieser Hütte als beeindruckende Haus- im- Haus Installation in die Akademie. Ein (Alb)Traumgebilde wie aus einem Märchen"

FR, 26.7.:"Hans Winklers Replik der Replik ist weit mehr als nur Gleichnis für die Vielschichtigkeit des Gedächtnisses, die Nähe von Erinnern und Vergessen. Winklers bewundernswertes Werk wirkt durch Entsetzen mitleidiges Empfinden. Endlich einmal eine Ausstellung, die man nicht schon auf der Schwelle nach draussen vergessen hat"

16.8.05, Tageszeitung:"In dem speziellen Fall Held bringt das Archiv unter den Bedingungen der neoliberalen Globalisierung und Deregulierung von oben eine selbst gebaute kleine Hütte quasi von unten zum Leuchten. Das ist doch nicht nichts"

22.6.05, Berliner Zeitung: "eine knappe, sonderbare, doch überraschende Installation: Er stellte eine Holzhütte in der Akademieraum auf."

in Kuenstler/Archiv, Adademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte, Kuratorin: Helen Adkins (Kuratorin), Assistent: Daniel Klemm,19. Juni - 28. August 2005

"The Archive of the Akademie der Künste is its memory. With over 800 artists holdings from all genres, it is the most important archive of its kind since 1900 in German speaking contries. The originals- manuscripts, sketches, letters, documents, recordings, films and photgraphs - are not only unique historical sources, they also enable a haptic, sensuous contact to the work and tiems of the artist in his absence."mit: Christian Boltanski, Jochen Gerz, Ilya & Emilia Kabakov, Christina Kubisch, Carsten Nicolai, Miguel Rothschild, Eva Maria Schön und Hans Winkler

Die Huette im Wald und die Held Saga wurde in der Ausstellung: Lügen.nirgends - Zwischen Fiktion und Dokumentation" (Januar bis April 2008, Ausstellungshalle für Zeitgenössische Kunst Münste, gezeigt.

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